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Indian Summer - 6. Tag (03.10.2003)

Plymouth - Cape Cod - Provincetown - Philadelphia
475 Meilen

Es geht heim! Aber erstmal muessen wir noch ein bisschen Geschichte im Schnelldurchlauf mitnehmen. Nicht ohne Grund haben wir ja Plymouth als Schlafplatz gewaehlt.
In Plymouth liegt naemlich die Mayflower II. Ja genau, so richtig kriege ich die Story auch nicht mehr zusammen... Ok, ok, ich mache mal kurz ne Pause und einige Recherchen.

"Americas' Hometown" - hier sind im Dezember 1620 die Pilger mit der Mayflower angekommen (sagt mein Roughguide, der da offenbar auch einiges vorraussetzt, gut meine Lexikon-CD hilft mir bei der tieferen Bedeutung der "Pilgervaeter" offenbar auch nicht weiter... aber langsam wird es [der Microprozess des Lernens]... Die guten Pilgervaeter kamen aus Plymouth und wollten eigentlich nach Virginia, wofuer sie eine Genehmigung hatten. Aber leider verfehlten sie, aus Gruenden an denen sie wohl nicht richtig Schuld waren, ihr Ziel um einige hundert Meilen und landeten an der Stelle, die sie dann gewohnheitsmaessig wiederum Plymouth (eigentl. Plimoth) nannten. Abgespalten hatten sich die Pilgervaeter vorher von der Kirche von England...
also das ist alles sehr bruchstueckhaft. Fest steht, dass die Pilgervaeter sehr bedeutend sind: wir haben an dem Tag spaeter noch ein ca. 30 baendiges Werk von Abstammungen von den Pilgervaetern gesehen. Aus irgendeinem Grunde muessen die also fuer amerikanische Verhaeltnisse recht adlig sein.

Zweiter Versuch: Immer noch nicht viel schlauer. Es gab damal wohl schon britische Kolonien, aber nicht in New England und die Pilgervaeter waren sozusagen die ersten, die als religioese Dissidenten nach Amerika auswanderten, was sie wohl doch ein wenig von denen unterscheidet, die vor ihnen da waren.


Das Schiff der Pilger war jedenfalls die Mayflower. Und ein orginalgetreuer Nachbau, der die Reise ueber den Atlantik auch tatsaechlich geschafft hat, liegt heute als Museum im Hafen von Plymouth. Sieht eigentlich ganz schoen aus, bloss dass von vom Kai aus das Schiff ueberhaupt nicht sehen kann, da sie uebermannshoch eine Bretterwand davorgezimmert haben, die nur muehsam als Museum getarnt ist aber offenbar dazu gedacht ist, die Leute zu einem Besuch auf dem Schiff zu ueberreden. Also clever sind die schon gewesen: Das Schiff kostet $8, Plymouth Plantagen (s.u.) kostet $20. Und beides zusammen $22. Und da die meisten wohl zuerst bei der Mayflower sind... uns haben sie nicht gekriegt, wir mussten ja weiter. Aber nicht, bevor wir uns nicht von hinten an die alte Damen angeschlichen hatten


Ansonsten ist Plymouth eigentlich trotz schrechlicher Touristenlaeden ein recht nettes kleines Staedtchen, das auch so ein bisschen einen kleinstaedtischen Eindruck macht.

Und auch wir sind in Plymouth irgendwie in Amerika angekommen. Sah erst ganz harmlos aus, Geld war alle, brauchten neues und eine Bank war schnell gefunden. Doch was war das, da stand doch tatsaechlich drive-through dran. Moment, wir wollten zur Bank, nicht zu McDonald's. Nein, das steht an der Bank dran! Ich glaub' es nicht - doch guck' die da vorn hebt gerade Geld ab!

tolle Technik...diese entspannte Haltung



...bei mir sieht das alles noch etwas verkrampft aus.


Aber das Virus ist uebertragen. Also ich weiss noch (also heute am 16.10.2003) dass es krank ist mit dem Auto zum Geldautomaten ranzufahren. Doch eigentlich ueberlege ich gerade warum. Immerhin, wann laeuft man schon mal von zu Hause zur Bank. Also mit Auto ist man auch in Europa unterwegs, nur dass man dann einen Parkplatz suchen muss, um dann zur Bank zu gehen. Also die Oekobilanz duerfte aehnlich ausfallen und ueberhaupt, was war nochmal das Problem? - bin ich jetzt ausgestossen?

Naechste Station war noch ein kurzer Abstecher nach Plymouth Plantation. Eine grosse Farm offenbar mit Schauspielern, die in grossem Stil das Leben der Pilgervaeter nachspielen. Und die, die im letzten Jahr nicht artig waren, muessen Indianer spielen - naja hier nicht so schlimm, denn beim ersten Thanksgiving durften die Indianer wohl noch mit am Tisch sitzen.
Fuer uns gab es aber kostenlos nur den Giftshop zu sehen, der uns eigentlich nicht so recht ueberzeugen konnte, dass wir was verpassen. Nun ich habe mich an nachgebaute Doerfer mit Nadeln mit ganz grossen Koepfen erinnert und eigentlich ein bisschen bedauert, dass wir kein so richtiges nachgebautes historisches Dorf gesehen haben. Auch wenn sie nicht echt sind, finde ich die doch immer recht schoen (in der alten Welt).

Unsere Fahrt ging jetzt nach Cape Cod, also raus auf diese lange duenne Halbinsel. Das war uns empfohlen worden, sollte wohl ganz schoen sein. Dank ADAC gelang es uns auch die schlimmsten Touristenstrecken zu umfahren, aber insgesamt war es doch ganz ruhig. (Da es hier gerade passt: Auf dem Rueckweg konnten wir dann nachvollziehen, wie schrecklich Cape Cod im Sommer sein muss. Mein Reisefuehrer meint ja, das Problem mit Cape Cod sei, dass man den Eindruck hat, ganz Amerika sei einem hier irgendwie auf den Fersen [und ziemlich dicht]. War bei uns nicht so schlimm, aber zum Freitag Abend ergoss sich dann ein kontinuierlicher Strom von Autos meilenweit und mehrspurig auf das kleine Stueck Insel. Es gab nicht irgendwie ein Hindernis, es waren nur solche Automassen, dass sie die Autobahn regelrecht verstopften.)
Nur auch auf Cape Cod hatten wir das Problem, dass die Strasse zwar nicht Weit von der Kueste weg war, aber irgendwie war doch immer zumindest noch ein Haus mit Baeumen davor. Da die Insel zudem so gute 40 oder 50 Meilen lang ist, zog sich die Fahrt dann ziemlich hin und unsere Begeisterung hielt sich in Grenzen.

Irgendwann kamen wir dann aber doch in P-Town (Provincetown) an der Spitze an. Da waren die Pilgervaeter nun also das erste Mal an Land gegangen:

Wir haben die Gelegenheit genutzt, nochmal ans Wasser zu gehen, dabei gelernt, wie man Muschel isst und einen kleinen Hai gesehen (also die Dame neben uns meinte mit der Stimme der Kennerin, das sei ein Katzenhai). Von den Moewen will ich aber erzaehlen.

Wir gingen auf dem Steinwall so vor uns hin/
nach nichts zu suchen war unser Sinn/
auf den Steinen sahen Muscheln verstreut/
und lernten, die hatten die Moewen erbeut'.

Tatsaechlich und ganz ernsthaft, der Steinwall bestand aus ziemlichen Felsbloecken, die teilweise sehr gerade und eben da lagen. Und immer auf denen waren zertruemmerte Muschelschalen. Und eine Moewe erklaerte uns dass dann. Sie brachte tatsaechlich eine Muschel im Schnabel an, drehte sich eine Runde unschluessig im Kreis, flog mit der Muschel in ein Meter Hoehe, liess die Muschel fallen, die Muschel zerbarst und die Moewe bediente sich. Wir waren begeistert von dem Trick. Cleveres Tier.

P-Town ist eine Stadt, die man sich auch sparen kann. Berichtenswert erscheint allerdings die grosse Zahl gemeinsam reisender aelterer Herren (oder wie der Reisefuehrer meint: a gay and lesbian center). Um keinen gar zu schlechten Eindruck von Cape Cod zu behalten sind wir dann auf dem Rueckweg nochmal an einen Strand gefahren, der auch schoen gewesen waere, nur mit Darss eben schwierige Konkurrenz hatte.



So, der Leser hat es gut, weil damit endete unsere Reise. Uns blieben noch endlose 400 Meilen und ewige sieben Stunden auf der Autobahn, bis wir dann irgendwann gegen halb zwei ziemlich erschoepft in Philly in die Kissen sinken konnten. Der Tacho zeigte 2078 Meilen an und der aufmerksame Leser kann jetzt erleichtert feststellen, dass er die weitern 350 Meilen, die wir unser Auto an den sechs Tagen noch irgendwo jenseits des Planes gescheucht haben, nicht auch noch mitkommen musste.

Ich hoffe es hat allen so viel Spass gemacht wir mir und ich habe jetzt nur noch 41 Bundesstaaten offen... (Rhode Island und Conneticut liegen auf dem letzten Tagesabschnitt).


berichtet am 17.10.2003 um 01:35 Uhr


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