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Indian Summer - 2. Tag (29.09.2003)

Bradford - Niagara Falls - Finger Lakes - Utica
310 Meilen

Das Motel war zwar schoen, aber in Bradford gab es ausser einem Kraftwerk und einer Chemiefabrik, die wir schon am Abend vorher besichtigt hatten (Leuna sieht nachts besser aus), nichts zu sehen, also haben wir uns mit gutem Mut und schlechtem Wetter auf die Autobahn geschlichen. Sehr weit war es nicht mehr bis Buffalo und von dort dann ja nur noch ein Katzensprung bis zu den Niagara Faellen. Das Wetter wurde unterwegs ein bisschen trockener und liess hoffen, dass wir an den Wasserfaellen trocken bleiben wuerden.

Da natuerlich niemand den Reisefuehrer gelesen hatte, wussten wir erstmal auf der amerikanischen Seite nichts richtiges mit uns, bzw. vielmehr mit dem Auto anzufangen. Die American Falls waren zwar gut ausgeschildert, aber es war ja trotzdem Vorstadt. Wir haben dann trotzdem irgendwo auf einem einfachen (kostenlosen!) Parkplatz geparkt und sind einfach mal gucken gegangen. Also, wie ich mich dann spaeter erinnerte, ich hatte das Spektakel bisher auch nur von der kanadischen Seite gesehen: Und auf der amerikanischen Seite war erstmal das spektakulaerste, wie unspektakulaer das alles war. Man sah zwar da vorn schon eine Wolke stehen, sah auch einen Fluss mit Stromschnellen, aber sonst? Nicht viele Leute, keine grossen Werbe- oder Infoschilder - also ganz schlicht irgendwie.

Naja, aber das Rauschen, was da langsam in der Luft ansetzte und zunehmend zu einem etwas wilderen Brausen mutierte, liess noch einige erwarten. (naja, wir waren mittlerweile ca. 3,5 Minuten unterwegs und wir froren schon wie die Rohrspatzen). Und siehe da, so langsam sah man den Abgrund, von dem das froehlich brausende Wasser in den Stromschnellen wohl noch nichts ahnte (schwer vorstellbar, dass Wasser wie Lemminge eingestellt ist). Und auf einmal standen wir vor der tiefen Schlucht in die sich die Wassermassen ergossen. Naja, 'ergossen' ist vielleicht nicht das richtige Wort: Einerseits war es ein reissender Strom, der mit gewaltiger Macht in die Schlucht schoss. Andererseits war es aber auch so majestaetisch gross, dass es sich bei laengerer Betrachtung geradezu in Zeitlupe bewegte. Auch wenn es eigentlich ganz schnell runterfliesst, ist das Gesamtbild ja doch irgendwie statisch. Gewaltig.

...erfurchtsvolles Innehalten...

Aber das war ja erst der Anfang! Mittlerweile waren wir nicht nur erfroren (und hatten uns von einem dreisten Eichhoerchen mit Essensresten bewerfen lassen), sondern ich hatte auch noch bissl im Reisefuehrer gelesen. Und wir sind auf die Insel, die auf amerikanischer Seite (tschuldigung, meine immer die US-amerikan. Seite...) zwischen den beiden Teilen der Niagarafaelle liegt, gegangen.

Einschub aus der Rubrik 'Wissenswertes ueber Erlangen': Man hat sich ja eigentlich schon immer ueber die Bezeichnung Niagara Falls gewundert. Dabei ist es so einfach - im Deutschen gibt es vier, im Russischen sechs und dort eben drei Faelle (American Falls, Bridal Veil Falls und Horseshoe Falls). Ja ok, ich gebe zu, dass das nicht die beste Erklaerung ist, weil zumindest in der Sprache der Einheimischen bleibt es beim Plural (naja, aber der Audi A8 heisst hier auch Audi 2000 - oder so, habe ich mal vor Jahren gehoert...obwohl dann mehr Saabs hier unterwegs sein muessten). Genug inngehalten...

Dieses besagte Goat (Ziege) Island liegt zwischen den Horseshoe Falls und den anderen beiden. Und dort gibt es die Cave of the Winds! Da kann man tatsaechlich bis ganz runter und die Wasserfaelle von unten und von ganz nah anschauen. Wenn man unten ist, weiss man dann auch, warum das nur bei dem kleinsten, dem Brautschleierfall, der nur 1% des Wassers fuehrt, geht. Aber erstmal stellt man fest, dass die Amerikaner mit dem Dualen System Dtl zusammenarbeiten: Man kriegt einen gelben Sack uebergestuelpt. Seine Schuhe gibt man ab und tauscht sie gegen one-size-fits-all[except Heike]-Badelatschen. Runter faehrt der Fahrstuhl und der freundliche Fuehrer gibt paar Erklaerungen, die sich alle so ein bisschen um die Hurricane-Plattform drehen - da muesse man dann nicht bleiben, man koenne dann wieder zurueck (wenn man nass genug ist, weil der gelbe Sack soll ja eigentlich ein Regenschutz sein, aber...)

In sachlichem Ton: Wir waren zwar nicht auf dem Schiff, aber ich denke, Cave of the Winds ist die beeindruckendste Erfahrung an den Niagarafaellen. Es sieht auf den Fotos nicht ganz so spektakulaer aus, meine Kamera ist auch etwas wasserscheu, aber man ist eben wirklich so ziemlich am Fusse der American Falls und stellt fest, dass selbst die kleinen niedlichen Bridal Veil Falls noch gewaltig sind. Wir waren nass und gluecklich als der Fahrstuhl wieder nach oben fuhr.


Aber eigentlich, Niagarafaelle, die muss man sich aus Kanada ansehen. Es gibt eine Bruecke ueber die kann man drueber laufen und mit einem deutschen Pass hat man es in diesem Teil der Welt recht einfach. Es sei denn natuerlich, man gehoert zu den gluecklichen, die ein Visum ihr Eigen nennen! Weil, als Touri kommt man immer rein, als Visuminhaber nur, wenn man I-20 mit hat. Naja, hatte ich natuerlich mit, in meiner Angst habe ich auch noch extra bei den Amis nachgefragt, ob sie mich wieder reinlassen und dann ging alles ganz einfach. Von der Bruecke hatte man noch mal wunderbare Sicht und nach einer viertel Stunde Spaziergang durch einen Teil Kanadas, den wir nicht fuer typisch halten wollen, kann man das Panoram der Horseshoe-Faelle geniessen. Ehe ich jetzt wieder aus allen metaphorischen Wolken falle, lasse ich die Bilder wirken (als ich meine anstelle von, nicht bevor...).

Bis wir dann wieder beim Auto waren und noch was gegessen hatten, war es dann halb fuenf und der Ausflug zu den Finger Lakes (da liegt Cornell) wurde etwas abgekuerzt. Naja, der Finger, den wir uns angesehen haben, machte es uns aber auch nicht sonderlich schwer - jedenfalls war da keine dramatische Schlucht vom Eis in den Felsen gegraben worden - war alles eher flach. Fuer uns hatte das den Vorteil, dass wir es noch recht weit in Richtung Albany und damit Green Mountains geschafft haben.

Bei der Gelegenheit werde ich jetzt noch mal schnell Super Model 8 dafuer loben, dass teuerste Motel der Reise gewesen zu sein, in der Bewertung aber das zweitletzte. Es war nicht wirklich schlimm, aber irgendwie auch nicht toll und das fuer $75 (2,5 von 5 Sternen).

Was fehlt: Richtig, wir haben die ersten schwarzen Eichhoernchen gesehen.
berichtet am 10.10.2003 um 01:51 Uhr


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