ich bin

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Dia:Beacon

Doch, ich bin immer noch in Philly. Nach dem Abschied geht es also weiter. Habe ja noch einiges zu tun gehabt. Nicht ganz so wichtig wie Fallingwater, aber trotzdem ein lang gehegter Plan. Da das Dia:Beacon erst im Mai 2003 eroeffnet wurde und deswegen in meinem ansonsten allwissenden Roughguide (ja das ist eine Empfehlung!) noch nicht drin ist, waere es mir beinahe durch die Lappen gegangen. Hatte es aber doch noch rechtzeitig wiederentdeckt, um es auf meinen persoenlichen Abschlussplan zu setzen.

[bitte mich nicht drauf festnageln: die Dia-Foundation wurde in den siebzigern von einem Ex-Deutschen zur Foerderung kostspieliger moderner Kunst gegruendet. Der Schwerpunkt lag auf der Foerderung einzelner Kuenstler.]

Im Laufe der Zeit sammelten sich einige rein physisch gigantische Werke an, die in Manhattan nicht ausgestellt werden konnten und die teilweise noch nie realisiert worden waren. Daher entschied man sich den Hudson aufwaerts zu schwimmen - die Gegend ist echt gut - und dort Platz zu suchen. Gefunden wurde eine ehemalige Fabrikhalle von Nabisco (natuerlich bestand mein Reiseproviant ausschliesslich aus Nabisco-Keksen [Oreo]), die heute das/die dia:beacon darstellt - also Dia in Beacon, NY.



Gut informiert (wie ich das von dem anonymen Gaestebuchschreiber gelernt habe) wie ich war, hatte ich mich fuer 10:30 auch schon fuer die Fuehrung durch das Werk von Michael Heizer angemeldet (die hielten es bestimmt fuer blasphemisch, dass ich meinen Namen dabei angegeben habe, den Unterschied konnten sie sprachlich jedenfalls kaum erfassen). Budget enttaeuschte mich ein wenig: zu wenig Luft auf den Reifen! CD-Player kaputt und rechter Spiegel durch hartnaeckige Ablagerungen auf der Scheibe verdeckt. Und ueberhaupt, wer will einen haesslichen Ford Focus!) Aber fuer die restlichen Versaeumnisse bin ich selbst zustaendig. Schon nach einer halben Stunde hatte ich mich verfahren, fand den NJ Turnpike nicht und rettete mich noch mit Glueck. Dann hangelte ich mich mehr schlecht als recht mit der Textbeschreibung, die ich auf meinen Palm geladen hatte bis nach NY, wo ich dann gluecklicherweise ne Karte hatte. Letztlich ist die Polizeidichte an der Ostkueste aber nicht so gross, wie in Arizona und ich war noch rechtzeitig in Beacon.

Und das hat sich gelohnt: Heizers North, East, South, West besteht im Grunde aus vier Loechern. Aber die sind 20 Fuss (knapp 7 Meter) tief und deswegen weitraeumig abgesperrt. Im Rahmen der Fuehrung haben wir nicht viel gelernt, aber wir durften bis unmittelbar ran and die 'Loecher'. Danach wirken die ganz anders. Im Uebrigen ist die Ausstellung gleichzeitig klein und gigantisch. Es sind aufgrund des Dia Konzeptes nur wenige Kuenstler und von denen auch nicht viele Werke (von Gerhard Richter leider nur eins) vertreten. Aber die Dimensionen sprengen alles herkoemmliche. Der Gruender der Dia hatte wohl viel fuer Kuenstler uebrig, die den amerikanischen Traum vom groesser, hoeher, weiter teilten. Die Gallerien sind erfreulich menschenleer, die meisten Werke kann man ohne stoerende Menschen im Blickfeld geniessen. Fotografie ist leider nicht gestattet und der Katalog ist nicht nur teuer sondern auch haesslich.

Naja, ca. die Haelfte der Kunst ist in meinen Augen auch entweder belanglos, dated, unaestethisch oder sonstig uninteressant. Einige andere sind zumindest gute Representanten fuer die Werke der jeweiligen Kuenstler. Dass zwei Sachsen dabei waren kann kein Zufall sein. Gerhard Richter hat vielleicht kein bedeutungsschwangeres aber doch sehr attraktives Altwerk beigesteuert. Warhol ist da, Judd hat nicht nur Holzkisten im Angebot (was gelernt?), das Becher Ehepaar ist da, Beuys ist eben Beuys und zu einigen andern masse ich mir auch noch eine Meinung an, die ich hier aber jetzt nicht zum Besten gebe sondern gerne mal persoenlich eroertere - ein Namensgedaechtnis waere gut.

Im Museum gibt es zwar normal keine Fuehrung, aber dafuer zu jedem Kuenstler ein recht informatives Blatt zu Leben und Werk (damit erklaert sich auch, was ich in fuenf Stunden gemacht habe). Die Blaetter sind eigentlich recht gut gemacht, aber irgendwie konnte ich mir hin- und wieder das Lachen nicht verkneifen - wenn man vierzig Jahre Werkegeschichte mit 'bewusst beschraenkten Ausdrucksmitteln' bezeichnet ist das Kunst, traurig oder einfach ... naja ich finde es lustig. Finde es auch lustig, wenn jemand die Wirkung von Farbe untersucht (als Maler!) und dabei in seinem Werk eine 'Vielzahl von Materialien' (Holz, Leinwand, Metall, Papier) erprobt. Aber alles kann sein wie es will. Irgendwann kommt man zu Serra. Und ich kann mir keinen Klotz vorstellen, der davon nicht beruehrt ist. Von mir aus, soll man die Kunst abstreiten, aber der Gesamteindruck ist ueberwaeltigend. Wenn ich sage, dass ich eigentlich nur von grossen gewoelbten Stahlplatten spreche, ist das wohl kaum nachvollziehbar, aber hier nahm die Ausstellung sakrale Zuege an. Es ist wohl von Zen beeinflusst und es passt auch: man laeuft durch diese Skulturen und ist verschwindend klein, machtlos, schwach - diese Platten sind vier Meter hoch und vielleicht 6cm dick und vielleicht 20, 30, 40 Meter lang und in Ellipsenform gewoelbt! Drin ist es dunkel, der Klang ist anders und der Gleichgewichtssinn durch die schraegen Waende gestoert.

Ich denke ich habe einige Ideen fuer meine Wohnungseinrichtung gesammelt und angstrengende, aber sehr erfuellte fuenf Stunden da verbracht. Der Tag hat aber 30 Stunden und deswegen ist natuerlich vor Einbruch der Dunkelheit noch nicht Schluss. Das Tal des Hudson ist einen eigenen Besuch wert - ist einfach schoen. Auch die Orte sind geradezu unamerikanisch schoen. Und das die Villen von Vanderbilt und Franklin D. Roosevelt da sind, ist wohl kein Zufall. Beide habe ich mir noch kurz angeschaut, bevor ich dann auf dem Heimweg noch eine Autoshow sah. Da ich mich vor niemandem dafuer rechtfertigen musste, dass ich schon wieder anhalte, habe ich angehalten und ich fand es nett.

Der weitere Rueckweg dauerte dann leider noch ueber drei Stunden, eingeschlafen bin ich aber nicht und zufrieden, aber etwas muede hier eingetroffen.
So und wo ist die Farbe auf der Seite? - Tja, in der Dia durfte man nicht fotografieren (siehe dia:beacon). Und sonst finden sich die meisten Bilder unter http://community.webshots.com/user/more_pennlaw2004 (dia:beacon). Doch ein paar Alibis habe ich schon:




berichtet am 29.05.2004 um 01:56 Uhr


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